4.3. Kapstadt „von innen“

Irgendwie scheint es eine dumme Angewohnheit von uns zu sein, Temperaturrekorde/
Wetterrekorde heraufzubeschwören. Gestern war mal wieder so ein Tag: 41 °C in Kapstadt, der wärmste Tag seit 100 Jahren (so berichteten die Medien). 2009 in Barcelona schneite es im März, das erste Mal seit 20 Jahren, und vor drei Jahren war unser heißester Urlaubstag in Neuseeland ausgerechnet der, an dem wir den Marathon in New Plymouth gelaufen sind.
Dafür war heute erst mal Schlechtwetter angesagt: kein Tafelberg war zu sehen, obwohl direkt hinter unserer Unterkunft gelegen, und ab und an nieselte es leicht. Die komplette Stadt war wolkenverhangen! Schlechte Aussichten im wahrsten Sinne des Wortes. Wir machten uns zu Fuß auf in die Stadt zur Waterfront entlang der Long-Street, einem interessanten, sehr abwechslungsreichen Straßenzug, teils heruntergekommen, teils rausgeputzt, mit diversen Läden, Kneipen, Backpackerhostels … und immer Securities vor den Ladengeschäften.

Long Street

Long Street

Die „Funktion“ von den Personen, die in grünen Warnwesten auf dem Gehweg patrollierten, konnten wir uns zunächst nicht erklären, bis Wolfgang der Groschen fiel: das waren lebendige Parkuhren! (Der Spruch „erzähl’s der Parkuhr“ bekommt in Kapstadt also eine ganz andere Bedeutung 😉 ). Nach einigen Kilometern Fußmarsch gelangten wir schließlich an die Waterfront, das in den 90-er Jahren zu einer illustren Touristenmeile umgebaute Hafenviertel, mit großen und kleinen Shopping-Malls (optisch schon ein Genuss), Restaurants, Kneipen, einem Riesenrad inmitten von weitverzweigten Wasserstraßen. Irgendwie hat das etwas vom Europapark Rust. Leider fehlte für den perfekten optischen Eindruck die Sonne! Zudem regnete es immer wieder in kurzen Schauern, so dass sich die Ladenbesitzer über volle Läden freuen konnten (wir haben ein Fernglas für die anstehenden Safaris gekauft). Eine tolle Entdeckung machten wir in einer umfunktionierten ehemaligen Lagerhalle aus Backstein: im Innern reihten sich diverse „Verpflegungsstände“ vom Smoothymaker (lecker) über Salatbar, Dörrfleischanbieter (Biltong von allerlei afrikanischem Getier) bis hin zu traditioneller, einheimischer Küche (abenteuerlich der Stand! Unser WKD hätte seine liebe Freude!). Letztendlich gönnten wir uns zum Mittagessen einen gegrillten Spieß mit verschiedenen Fleischstücken vom Strauß, Krokodil, Warzenschwein und Zebra!

Fleisch von links nach rechts: Strauß, Krokodil, Warzenschwein, Zebra (o.k., man kann's nicht wirklich erkennen)

Fleisch von links nach rechts: Strauß, Krokodil, Warzenschwein, Zebra (o.k., man kann’s nicht wirklich erkennen)

Alles wirklich lecker, aber besonders hat mir das Zebra geschmeckt.
Am frühen Nachmittag machten wir uns zu Fuß auf den Weg zurück zu unserer Unterkunft, wobei wir das berühmte Bo-Kaap-Viertel durchquerten, zugegebenermaßen mit einem teils mulmigen Gefühl. Doch je bunter die Häuser in dem von Kap-Moslems bewohnten Viertel wurden, desto mehr Touristen tummelten sich dort und desto sicherer fühlten wir uns. Die Farbpallette an den kleinen Häusern: einzigartig! Die muslimischen Kinder, die gerade die Koranschule verließen: beeindruckend durch die Freude, die sie ausstrahlten und dazu dann noch der Ruf des Muezzins aus dem Lautsprecher!

Moschee im Bo-Kaap-Viertel

Moschee im Bo-Kaap-Viertel

Der Gemischtwarenladen mit tausenden von orientalischen Gewürzen: ein Erlebnis für die Sinne!. Und zu guter letzt wagte sich langsam aber sicher die Sonne hervor. Somit kamen wir schnell zu dem Entschluss: wir müssen unbedingt nochmal zur Waterfront zurück! Ein kleiner Schlenker noch durch die „Fußgängerzone“ von Kapstadt, die St. Georges Mall, die von vorne bis hinten von fliegenden Händlern belagert ist. Entsprechend langsam kamen wir voran und unsere Füße taten mittlerweile auch weh. Wie viele Kilometer waren wir heute schon marschiert? Und bis zum Hafenviertel waren es nochmal gut 3 bis 4 Km. Also hielten wir ein Taxi an und legten den Rest der Strecke in einem klapprigen Toyota zurück, dessen geringstes Problem wohl die defekten Sicherheitsgurte waren. Trotzdem kamen wir wohlbehalten an unserem Ziel an und staunten nicht schlecht, wie so ein bisschen Sonne eine Kulisse derart verändern kann!

Waterfront dann doch bei Sonne

Waterfront dann doch bei Sonne

Zudem ließ sich nun auch endlich der Tafelberg wieder blicken, was für das Arrangement aus Wasser, Lagerhallen, Ladekränen, Schiffen, Kneipen und Restaurants noch das „Tüpfelchen auf dem i“ war. Wir schlenderten also nochmals die Wege vom Vormittag ab, um an den schönsten Stellen nun Fotos MIT Sonne zu machen und dann wollten wir uns ein Lokal am Hafenbecken für das Abendessen aussuchen. Auf dem Weg dorthin kamen wir am Riesenrad vorbei. Vormittags hatten wir es noch keines Blickes gewürdigt, aber jetzt…es gibt nichts Besseres, als der „erhabene“ Anblick aus diesem Fahrgeschäft auf die Waterfront mit dem Tafelberg im Hintergrund (außer man gönnt sich einen etwas teureren Huschrauberrundflug).

Blick aus dem Riesenrad auf die Waterfront und den Tafelberg

Blick aus dem Riesenrad auf die Waterfront und den Tafelberg

Krönender Abschluss des Tages war dann das Abendessen bei KARIBU South African Diner. Es gab Krokodil-Carpaccio als Vorspeise. Ich aß dreierlei Antilopenmedallions und Wolfgang eine afrikanische Grillplatte. Dazu gab es einen leckeren Kaapziecht Pinotage Rotwein.

 

 

Ein Gedanke zu „4.3. Kapstadt „von innen“

  1. Carola

    „Dreierlei Antilopenmedaillons“! Wenn einem da nicht das Wasser im Mund zusammenläuft!

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